Geschichte

Von der Reichssynode im Frühmittelalter über Mozart bis Theodor Heuss

Hohenaltheims Geschichte ist unerwartet spannend

Hohenaltheim ist zwar sehr klein, aber auch sehr alt und die Geschichte hat bei uns zahlreiche Spuren hinterlassen: Urkundlich erwähnt wurde „Altheim“ nämlich bereits 878. Zu dieser Zeit endete das Machtmonopol der Karolinger und die Karten zwischen geistlichen und weltlichen Herrschern wurden neu gemischt.

Im Jahre 916 fand hier die erste Reichssynode auf deutschem Boden statt: Vom 20. bis 23. September berief Konrad I. die ostfränkischen Bischöfe nach „Altheim, im Gaue Raetia“. Im geräumigen Fron- oder Königshof, dem heutigen Straußenhof, bezog man Quartier. Unter dem Vorsitz des päpstlichen Legaten Bischof Petrus von Orta berieten die Beschöfe darüber, wie sie die schwierige Lage des Reiches beheben könnten. Die Zustände waren durch die Widerspenstigkeit mehrerer Herzöge gegen den schwachen König Konrad I. fast unhaltbar geworden. Drei Tage fastete man, hielt liturgische Gottesdienste und verdammte die Herzöge Erchanger und Berthold zu lebenslänglicher Klosterhaft. In 38 Artikeln wurden die Beschlüsse niedergelegt. Es ging um die Anhebung der Kirchenzucht, die Sicherung des Kirchengutes und die Bewahrung der staatlichen und kirchlichen Belange vor herzöglicher Willkür.

Das schöne Ensemble von Schloss Hohenaltheim (ständiger Sitz des Hauses Oettingen-Wallerstein), Johannes-der-Täufer-Kirche und Straußenhof (Königshof/Fronhof) zeugt noch heute von der historischen Bedeutung unseres Ortes.

Während des 30-jährigen Kriegs wurden die Aktivitäten der Amtschreiber unterbrochen. 1633 wurde Hohenaltheim dreimal ausgeplündert, 1634 fand nur wenige Kilometer von Hohenaltheim entfernt die Schlacht am Albuch statt, die der katholischen Liga den Sieg über die evangelische Union brachte. Zu dieser Zeit flüchteten sich die Bewohner Hohenaltheims hinter die starke Mauer des Straußenhofs, die ihn noch heute umgibt.

Um 1700 erfolgt ein Aufschwung durch den Neubau des Schlosses. Die 1674 in den Fürstenstand erhobene Linie Oettingen-Oettingen des inzwischen in vier Linien aufgespaltenen Hauses Oettingen ließ anstelle des alten verfallenen Schlosses der Ritter von Altheim ein gefälliges, im Stil des Rokoko gehaltenes Schloss erbauen und verlegte in den Sommermonaten teilweise ihre Residenz nach Hohenaltheim. Heute ist das Schloss Hauptwohnsitz von Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein. Auf Einladung des Fürstlichen Hauses war Wolfgang Amadeus Mozart ebenso Gast in Hohenaltheim (1777) wie Bundespräsident Theodor Heuss (1953).

Heute ist Hohenaltheim eine politisch selbstständige Gemeinde und der Verwaltungsgemeinschaft Ries mit Sitz in Nördlingen angeschlossen. Zusammen mit der 1976 im Zuge der Gebietsreform zusammengelegten Postkarte um 2001 / Dr. BauerTeilgemeinde Niederaltheim hat die Kommune derzeit 631 Einwohner. Die stürmische Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg ist auch an unserem Ort nicht spurlos vorübergegangen. Durch die Zuwanderung vieler Flüchtlinge und Vertriebener nach dem Krieg und nach der Wende von Ost- und Mitteldeutschen, wurde die ehemals fast bäuerliche Bevölkerung kräftig durcheinander gemischt. Früher beinahe ausschließlich landwirtschaftlich orientiert, hat sich das inzwischen grundlegend geändert. Außer einigen landwirtschaftlichen Betrieben besteht die Bevölkerung überwiegend aus Handwerkern, Arbeitern und Angestellten die in den örtlichen Gewerbebetrieben und in Nördlingen ihr Brot verdienen.

Text: Stefanie Saam M.A.
Quellen: Dr. Wilfried Sponsel, Archivar der Stadt Nördlingen.
Abstract der bisher nur auf Mikrofiche veröffentlichten Dissertation
"Hohen- und Niederaltheim: die Geschichte zweier Orte im Ries.
Mit Anmerkungen zur Problematik der Ortsgeschichtsforschung",
Universität Augsburg, 1991, sowie der Text von Willi Kilian aus dem Jahr 2000.


Wappen von Hohenaltheim

Wappenbeschreibung

In Silber der Rumpf eines goldbewehrten und rotbezungten blauen Löwen, der in den Pranken einen roten Schild hält; darin ein blauer Herzschild, von dem vier goldene Eisenhüte zu den Schildrändern ausgehen, im Ganzen belegt mit einem silbernen Schragen.


Wappengeschichte

Hohenaltheim hieß bis um 1300 Altheim. Der blaue Löwenrumpf im Gemeindewappen ist dem Wappen der Herren von Altheim entnommen, die seit 1238 belegt sind. 1508 verkaufte Hans von Altheim seinen ganzen Besitz an die Grafen von Oettingen, die seit dem 14. Jahrhundert im Ort begütert waren. Fürst Albrecht II. von Oettingen ließ 1710 das Schloss neu errichten. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts diente es als Sommerresidenz, zunächst der Linie von Oettingen-Oettingen, später der von Oettingen-Wallerstein. Der kleine Schild in den Pranken des Löwen enthält das vereinfachte Stammwappen der Oettinger.


Wappendaten

Wappenführung seit 1961


Rechtsgrundlage

Beschluss des Gemeinderats und Zustimmung des Innenministeriums


Beleg

Ministerialentschließung vom 25.04.1961


Ehemalige Gemeinden

mit eigenem Wappen: Niederaltheim


Elemente

aus Familienwappen
von Oettingen, von Altheim

 

Quelle: Haus der Bayerischen Geschichte
Bearbeitung Stephanie Heyl

Unsere Ortsgeschichte

Sie wiegt zwei Kilo, umfasst knapp 700 Seiten und hat 550 Fotos: Die lang ersehnte „Geschichte von Hohenaltheim und Niederaltheim“ ist da.

Autor: Dr. Wilfried Sponsel
Leinenbindung, Goldprägung und Schutzumschlag.
Erhältlich in der Gemeindekanzlei
zum Preis von 49,90 €.

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